Seite 13 - Valser Geschichten

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der Sache auf den Grund gehen. Eines Tages nach der Alpentladung,
ging er hinauf zur Hütte. In und um dieselbe war alles still und fried-
lich. Nichts deutete auf die Existenz von Geistern hin. So machte sich
denn der junge Knecht für den Abend bereit. Um das kommende
Geschehen möglichst gut beobachten zu können, stieg er auf die
Walbernen, es sind dies zwei lange Latten quer durch die Hütte
gespannt, die zur Aufbewahrung der Gebsen dienen. Mittlerweile
wurde es stockfinstere Nacht, so dunkel wie in einer Kuh. Punkt um
Mitternacht ging mit einem Ruck die Hüttentür auf. Herein schlurften
drei finstere Gesellen mit bleichen, ausgemergelten Gesichtern, langen
Bärten und glühenden, stechenden Augen. Sofort begaben sich die
Unheimlichen in den Milchkeller. Der auf den Walbernen bekam es
mit der Angst zu tun. Sein ganzer Körper überzog sich mit
Hühnerhaut, und die Haare standen ihm zu Berge. Unterdessen kamen
die drei Unheimlichen wieder aus dem Keller, in den Händen trugen
sie Gebsen mit weisser und roter Milch. Dieselbe schütteten sie in das
Käsekessi. Einer zog sein Messer, machte Holzspäne (Scheiten) und
entfachte Feuer unter dem Käsekessi. Die beiden andern begannen mit
der Zubereitung des Käses. Kaum fertig mit dem Käsen, setzten sie sich
an den Tisch und verzehrten gierig den eben hergestellten Käse. Nach
der Mahlzeit ging es ans Aufräumen. Der eine, der mit dem Messer,
sagte: «Ich lasse das Messer fürs nächste Mal hier», steckte es statt in
die Walbernen, dem jungen Burschen ins Bein. Kurz vor fünf Uhr mor-
gens, noch bevor im Dorf unten die Betglocke läutete, waren die
Unheimlichen verschwunden. Alles war wieder still, nur durch die halb-
offene Hüttentüre zog leise die kalte Nachtluft. Bleich, an allen
Gliedern zitternd, stieg der Lauscher von den Latten herunter. Mit
aller Kraft versuchte er das Messer im Bein zu entfernen. Doch ver-
geblich, alles ziehen half nichts, es blieb stecken. Halbtot kam er dann
unten im Dorf an, hoffte hier auf Hilfe. Doch niemand wusste Rat,
nicht einmal ein Arzt, auch keine Kräuterfrau hatte ein Rezept. Eine
Badekur half ihm erst recht nicht. Das Messer im Bein blieb stecken.
Da riet ihm in seiner Not eine alte Frau: «Gehe nächsten Herbst
nochmals auf die Alp. Kommen die Geister wieder, so werden sie das
Messer wieder brauchen und du bist es los». Im nächsten Herbst nach
der Alpentladung stieg der junge Mann wieder auf die Alp. Diesmal
hoffte er auf Erlösung von seinem Leid. Wieder um Mitternacht