Seite 35 - Valser Geschichten

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Valler und Lugnezer
D Valler sind mit de Romunschera net immer guot us cho. Früener sind
sch de albig mit em a Dorastäcke uf d Landsgmeind gganga. Dass nit
nu wäga dem schlächta Wägg z Loch us, nei , wenn de d Woort nüt me
gnützt hent, hend sch de halt mit em Dorastäcka naa gholfa. Speter ei
het ma der Bruuch verbotta.
Es sind de ou emaal as Taggsch siba oder ou achtValler uf d Lands-
gmeind gganga. Wie de schii mit inna Dorastäcka under Igelsch die
stotzend Sita uocha cho sind, sind sch de enera Frau begägned. Schi het
sche de gfräägt: «Ier sid alli mid ema Dorastäcka cho, chömma no a
Huufa naa»? Ja no fri es Schuppli wärda de scho no cho, hent die
Mannli gmeint. Druuf das Baabi: «Jaus Partschiri, die chömma alli mit
Stäcka und ünschi hent gar kcheini met gno».
Dass die Valser eigentlich schon immer friedlich waren, mag eine
Episode aus dem Bockenkrieg von 1804 erhellen.
Zur Niederdrückung des Aufstandes eines Teils der Landbevölke-
rung im Kanton Zürich, verlangte der Stand Zürich Soldaten. Viele
Gemeinden sandten welche. Unsere Gemeinde mochte sich nicht in
fremde Händel einmischen und schickte keine. Dies veranlasste den
damaligen Landammann Georg Vieli zu einem Rücktrittsgesuch, da er
unfähig sei, die Weisungen der Regierung durchzusetzen.
Der Teufel und der Pfarrer
Im Lugnez draussen lebte einst ein Pfarrer. Der konnte etwas mehr,
wie nur ein gewöhnlicher Geistlicher, sogar noch mehr wie der Kapu-
ziner. Unter andrem hatte er auch Umgang mit Geistern. Mit dem
Teufel, dem Leibhaftigen, war er per Du. Er besass auch ein beson-
deres Buch. Wenn er darin gelesen hatte, und das tat er oft , ver-
schloss er es jeweils sorgfältig im grossen Stubenbüffet, denn dieses
Buch war nicht für jedermanns Geist zuträglich.
Das Buch war in einer sonderbaren Sprache geschrieben, teilweise
sogar lateinisch. Besonders die Seite 77 hatte es in sich. Las man die
drei mittleren Zeilen dieser Seite von vorn nach hinten, so erschien