Seite 6 - Valser Geschichten

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Zur Schreibweise
Unsere Valser Mundart ist so schön, dass man sich kaum getraut daran herum
zu mäkeln, geschweige denn sie in ein festes Korsett zu zwängen. Doch ohne
einige «Regeln» geht es leider auch hier nicht. So habe ich mich weitgehend an
die Schreibweise von Frau Paula Jörger gehalten.
Die Vokale
a
und
e
am Schluss eines Wortes stehend, klingen im Valser-
deutschen fast gleich, nämlich wie ein leicht offenes
ä
. Deswegen steht meist ein
a
am Schluss.
Gleiche Ähnlichkeit wie zwischen
a
und
e
, bestehen zwischen
a
und
o
[duo-
dua],
u
und
o
[gnu-gno],
ü
und
ö
[gnüttelet-gnöttelet].
Der Doppellaut
au
ist bei uns deutlich nach
o
gefärbt, deswegen schreiben wir
statt
au
,
ou
. [Augg – Ougg]
Der Doppellaut
ei
wird mit geschlossenem
e
gesprochen.
Die langen Vokale sind immer durch Verdoppelung gekennzeichnet.
Auf Dehnungs
h
und
ie
zur Bezeichnung der Vokallänge wird verzichtet. Wo
ie
vorkommt wird auch das
e
gesprochen.
Für den Valserdialekt ist die Verschärfung der Verschlusslaute
b
,
d
,
g
vor
l
cha-
rakteristisch, z.B. Buopli, Stupli, naggla, gglauba, Gglogga,
g
erscheint auch
häufig im An-, In- und Auslaut verschärft, z. B. Ggäschi, Ggragga, ggüna-
Brügga, sprengga, Tagg, Wägg.
Die Vorsilbe
ge
wird in der Vergangenheitsform ohne
e
geschrieben, z.B. [ge-
ärgert]-gärgeret, glismet, gmärtet, gnütscht. Ausgenommen sind Worte mit
g
im
Anlaut des Wortstammes, z.B. [ge-geben] ggä, gegangen - gganga.
Die Vorsilbe
ge
vor h im Anlaut ergibt im Valserdeutschen
gch
, z.B. [gehabt]-
gchä, [gehängt]-gcheecht, [geholfen]-gcholfa,
ge
vor
r
wird valserisch zu
gchr
z.B. [geredet]-gchredt, [gerüstet]-gchruscht, [geraten]-gchraata.
Wenn die Grundformen der Tätigkeitswörter mit
b
oder
d
anlauten z.B. bätta,
diena, so schreiben wir in den Mittelwörtern
bb
und
dd
[gebetet]- bbättet,
[gedient]-ddienet.
Lauten die Grundformen dagegen schon mit
p
oder
t
, so verdoppeln wir sie
nicht: prichtet [prichta], taa [tua].
Das Geschlechtswort die wird bei uns zu
d
, d Muoter, d Alpa, d Männer.
Die Konsonanten
p
,
t
und
ss
werden in Vals vor nachfolgendem Vokal abge-
schwächt, z.B. es nüws Hemp, aber ds Hemb alegga, är het, aber hüt hed er, är
muoss gaa, aber hüt muos er gaa.
Diese Hinweise mögen dem Leser verständlich machen, warum ein und dassel-
be Wort auf verschiedene Weise geschrieben werden kann und muss und ihm
anderseits helfen, den Dialekt lautgetreuer auszusprechen.