Seite 72 - Valser Geschichten

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1868 27. September
Nach vierzehn Tagen Föhnwetter das grösste Hochwasser, das Vals je
erlebt hat.
11 Häuser, 49 Ställe, 2 Sägen, 2 Mühlen, 11 Brücken und 27 Stück
Vieh fallen den Wassermassen zum Opfer. Ebenfalls wird das Beinhaus
und der Friedhof stark beschädigt. Sogar Särge schwimmen das Tal
hinaus. In der Kirche steigen die Fluten bis über die Stufen des Chors.
Die Zerstörung ist derart gross, dass die Bevölkerung in Erwägung
zieht, gemeinsam nach Amerika auszuwandern. Johann Arpagaus
schreibt über die Wassernot in Vals: «Vals war eine der schönsten und
interessantesten Alpenlandschaften der Schweiz. Jeder Ort hat seinen
Kummer, aber der Valser Kummer ist so düster, dass ein Hoffnungsstern
kaum durchdringen kann. Vals ist zu reich, um zu sterben, zu arm, um zu
leben». Die Schadensumme belief sich auf 343’600.- Fr. Vals wurde von
Bund und Kanton zum Katastrophengebiet erklärt und man verzichtete
während zwei Jahren auf die ordentlichen Steuereinnahmen. Eine landes-
weite Spendensammlung zu Gunsten der Hochwassergeschädigten
erbrachte für unsere Gemeinde 73’000.- Fr. In den folgenden Jahren
beginnt man mit dem weiteren Ausbau der Wuhre am Valserrhein.
1927
Hochwasser. Der ganze Talboden wird überschwemmt. Der Dorfplatz
steht gut einen Meter unter Wasser.