Seite 88 - Valser Geschichten

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Unser Tal, zumindest der Talboden, war bis ins 13. Jahrhundert von
Romanen besiedelt. Zwar fehlen schriftliche Angaben darüber. Doch die
vielen Flurnamen romanischen Ursprungs, lassen auf die Anwesenheit
einer, wenn auch kleinen romanischen Bevölkerung schliessen.
Anfangs des 14. Jahrhunderts erschienen dann fremde Leute in
unserem Tale. Angelockt von seiten der damaligen Landesherren mit
der Aussicht auf grosse persönliche Freiheiten und der Landnahme zu
Erblehen, erhielten die neuen Siedler vorerst das in den obersten
Talstufen gelegene Land zur Urbarisierung.
Die Einwanderung dieser «tütschen Lütt» erfolgte ursprünglich aus
dem Goms im oberen Wallis, aus dem Pomat und schliesslich von
Hinterrhein her. Über den Soredapass kommend, haben Walser in
Zerfreila eine ganzjährige Siedlung gegründet. Mitgenommen auf die-
sen langen Weg haben sie ihre Sprache und Gebräuche, ihren Glauben
und ihren Heiligen den Sankt Joder oder Sankt Theodul.
Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Bevölkerung dermassen stark an,
dass man im nahen Lugnez Güter erwarb und sich dort nieder liess.
Zalischemsch-Tag (Fronleichnam)
ca. 1890