Seite 96 - Valser Geschichten

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Dorf um 1910
Kopfbedeckung wurde ein schwarzes Kopftuch getragen. Waren die
zwei Jahre vorbei, begann während ca. einem Jahr die Halbtrauer.
Während dieser Zeit wurden dunkle Kleider, aufgehellt mit helleren
Mustern und als Kopfbedeckung ein schwarzer Flor getragen. Um
nicht die ganze Garderobe neu anschaffen zu müssen, wurden oft
buntfarbige Kleidungsstücke dunkel gefärbt.
Für die weitere Verwandtschaft trug man weniger lang den Sturz,
jedoch fast immer ein Jahr lang Trauerkleidung.
Die Männer trugen, falls der Sonntagshut nicht schwarz war, eine
schwarze Schleife um den Hut, oder auch eine schwarze Armbinde. In
jüngerer Zeit wurde die Armbinde durch einen Trauerknopf, getragen
im Revers des Kittels, abgelöst.
Es galt als nicht schicklich, verheiratete sich eine Witwe vor
Ablauf der Trauerzeit. Auch war es verpönt für Trauernde an
öffentlichen Lustbarkeiten teilzunehmen. Die Sitte, «dr Sturz
träga», wurde in ihrer Dauer in den Jahren zwischen 1940 und
1950 immer kürzer und anfangs der fünfziger Jahre ganz aufge-
geben.